Der Absenderfreistempel – gestern und heute

Für viele Firmen und Behörden mit großem Postaufkommen erwies sich bald trotz der enormen Vereinfachung und Beschleunigung im Ablauf, welche die Einführung von Postwertzeichen und später deren maschinelle Entwertung gebracht hatte, dass das Trennen der Briefmarken aus dem Bogen und ihr Aufkleben auf Postbelege sehr zeitaufwändig waren und den reibungslosen Betriebsablauf verzögerten. Auch das Stempeln der Wertzeichen durch Postbedienstete kostete Zeit und wurde deswegen als hinderlich für einen effektiven Arbeitsablauf betrachtet. Hinzu kam das Erfordernis des Nachweises der Briefmarken und der manuellen Abrechnung. fg1_001Geschäftsbrief (Drucksache) aus 1870
Aus diesem Grund wurden schon früh Überlegungen angestellt und Versuche unternommen, Verfahren zu entwickeln, die diese Probleme lösten, d.h. Zeit einsparten und einen sicheren Nachweis der verbrauchten Porti und zudem eine möglichst automatische Abrechnung gewährleisteten. Es wurden mehrere Arten von Geräten und Verfahren erprobt, die aber alle nicht völlig überzeugen konnten. Im Deutschen Reich und anderen Ländern bemühten sich Erfinder und Bastler um die Entwicklung von Geräten, die die gewünschten Vereinfachungen sicherstellten. Ohne Einflussnahme des Weltpostvereins wurden auf nationalen Ebenen sowohl Post- als auch Absenderfreistempler eingeführt, für die in Abstimmung mit diesem nur festgelegt wurde, das im internationalen Postverkehr die Stempelfarbe „rot“ war (sie symbolisierte, dass die zu entrichtende Gebühr bezahlt war) und dass aus dem Freistempelabdruck der Name des Herkunftslandes hervorgehen musste.  

1884 Versuchsapparat und fg1_002Wertrahmen des
französischen Ingenieurs Carl Busch.

Quelle DÜRST, Heiner – Geschichte
der Maschinen-Freistempel 1883 – 1928

 

Ein versuchsweiser Einsatz von Freistemplern zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist nur aus Neuseeland und Norwegen bekannt. fg1_0031900 Norwegen

fg1_0051904 Neuseeland

Der Deutschen Reichspost wurden im ausgehenden 19. Jahrhundert zahlreiche Vorschläge für diese Art von Maschinen unterbreitet, die von dieser aber sämtlich abgelehnt wurden. Hauptgrund für die Zurückweisung dürfte gewesen sein, dass die Post ihr Monopol auf die Herausgabe von Postwertzeichen (Freistempel sind in diesem Sinne nach einem durch die Regierung des Deutschen Reiches anerkannten Beschluss des Weltpostvereins den Wertzeichen gleichgestellt) nicht gefährdet sehen wollte. fg1_0061921/22 – Versuchsapparat Komusina

Quelle: DÜRST, Heiner – EICH, Gerd
Die Deutschen Post- und Absenderfreistempel,
Band 1

Die endgültige Zulassung von Absenderfreistempeln durch die Reichspost erfolgte im Jahr 1921. Ab 1923 genehmigte sie Maschinen von drei Herstellern für einen Probebetrieb, zu denen im Herbst des Jahres noch ein vierter kam. Die Versuchsphase wurde im April 1925 beendet, und die Verwendung von Absenderfreistemplern wurde generell freigegeben. Den Benutzern waren bis zu diesem Zeitpunkt Maschinen zur Verfügung gestellt worden, die sie von nun an selbst beim jeweiligen Hersteller kaufen und sich den Gebrauch von der Reichspost genehmigen lassen mussten. In der Maschine war eine vorher zu bezahlende Gesamtportosumme eingestellt und frei geschaltet, von welcher der jeweils verbrauchte Betrag subtrahiert wurde. Ein Abdruck auf der Sendung gab das Porto an. Als Farbe für diesen Stempelabdruck war „rot“ vorgeschrieben, doch galt diese Bestimmung nur im internationalen Verkehr. Die DDR verwendete von 1951 bis 1960 im Inlandsbetrieb blaue Stempelfarbe, und in der Bundesrepublik Deutschland ist für die Freistempelabdrucke seit Beginn des 21. Jahrhunderts ebenfalls die Farbe blau – wie auch inzwischen international sanktioniert – vorgeschrieben. Grund für diese Maßnahme ist, dass nach postamtlichen Angaben die blaue Stempelfarbe besser lesbar ist als die rote und damit die Postautomation weiter gefördert wird.

Die ersten 4 postamtlichen Vorläufer seit 1923

fg1_007 fg1_008Freistempler A
L. Furtwängler AG, Furtwangen
Freistempler B
Bafra Werke, Berlin
Freistempler C
Anker Werke, Bielefeld
Freistempler D
Komusina, Karlsruhe

Quelle:
DÜRST, Heiner – EICH, Gerd
Die Deutschen Post- und Absenderfreistempel, Band 1

Der in seiner Gestalt oft unterschiedliche Freistempel bestand bis vor wenigen Jahren aus einem briefmarkenähnlich gestalteten Feld mit der Angabe des Herkunftslandes oder der betreffenden Postverwaltung und der Portoangabe, dem Stempelkopf, der dem schwarzen Hand- oder Maschinenstempel ähnlich war und eine Absendeorts- sowie Datumsangabe enthielt. In einem Feld links davon war eine Absenderangabe oder ein Werbefeld untergebracht. Doch die inzwischen eingeführte FrankIt-Technologie der Deutschen Post kennt aber einen solchen Stempelkopf und auch eine Ortsangabe nicht mehr. Ein zusätzlicher Entwertungsstempel war im Allgemeinen nicht mehr erforderlich, da der Ortsstempel mit der Datumsangabe als Entwertungsstempel gilt, weil im Normalfall – Ausnahme: Rückantworten – mit Freistempel freigemachte Post nur an dem Tag aufgegeben werden darf, den das Datum im Freistempel ausweist. Andernfalls muss der Tagesstempel der Post hinzugesetzt werden. Die Tatsache, dass der Postbenutzer neben allen sonstigen Vorteilen, die der Freistempler mit sich bringt, eine Werbung für das eigene Unternehmen, seine Produkte oder bei Behörden z.B. einen Hinweis auf Ihre Aufgaben und Zuständigkeiten in den Stempelabdruck aufnehmen kann, veranlasste eine schnell wachsende Zahl von Postkunden zu seiner Nutzung. fg1_009Die klassische Form des Freistempels

fg1_010Frankit ohne Ortsangabe

fg1_011Poststempel zur Korrektur des Einlieferungstages

fg1_012Eine ansprechende Werbung gehört dazu.

Von Briefmarkensammlern wurden Freitempelabdrucke oft abgelehnt, denn auf ihnen war ja im Regelfall keine Briefmarke zu finden. Neben unserer auf dieses Gebiet spezialisierten Forschungsgemeinschaft werden sie auch durch die rasch zunehmende Zahl der Heimat- und Motivsammler gern genommen und zuweilen sogar gesucht, geben sie doch sonst oft nicht erhältliche Auskünfte über bestimmte, oft sogar sehr kleine Orte und die dortigen Gegebenheiten. fg1_013Motivbeispiel:
Honig – Biene – Insekt – Tier
Politische Werbungen und Gegebenheiten können im auf dem Werbefeld von Freistempeln abgedruckten Text vorgenommen und angesprochen werden. Doch darf das heute nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Post geschehen. Deshalb kommt es auch vor, dass nach einem Umsturz oder der grundlegenden Veränderung der politischen und gesellschaftlichen Situation wie zum Ende des Zweiten Weltkrieges Freistempler von Hand verändert werden und Textteile, die politisch nicht mehr tragbar sind (z.B. Propagandatexte) entfernt (aptiert) werden. Gerade solche Perioden mit starken umwälzenden Veränderungen geben den Sammlern zahlreiche Möglichkeiten der Spezialisierung, weil die Entwicklung und der Ablauf von Veränderungen dokumentiert werden können. fg1_014Beispiel aus einer Vielzahl von Aptierungen ab 1945
In Deutschland wurde in den letzten Jahren ein anderes Verfahren eingeführt: mit Hilfe von „Freistempeln aus dem PC“ kann jeder an diesem Verfahren teilnehmende Postkunde ein exakt den benötigten Portosatz anzeigendes Wertzeichen mit dem Drucker des heimischen Computers auf einem Aufkleber oder auf dem Poststück selbst ausdrucken. Die Namen StampIt und FrankIt sind eingetragene Warenzeichen der Deutschen Post und heißen daher nur in Deutschland so. Ähnliche Verfahren in anderen Ländern haben andere Namen (es sei denn sie haben die Software der deutschen Post übernommen). Diese Verfahren gewinnen zunehmend an Bedeutung, und es werden in fast identischer Form nunmehr an vielen Schaltern der Postfilialen ähnliche Aufkleber als Postfreistempel an Stelle von Briefmarken gedruckt und ausgegeben. fg1_015STAMPIT war in Deutschland die erste Lösung
zur Freimachung mit PC bzw. Internet
für Geschäfts- und Privatkunden der
Deutschen Post
Freistempel sind wichtige Schritte auf dem Weg zur Automatisierung des Postverkehrs und sollten – auch wenn sie keine der bei Sammlern im allgemeinen wesentlich mehr geschätzten Briefmarken aufweisen – nicht unbeachtet und ein Betätigungsfeld nur für Spezialisten bleiben. Sie stellen oft das zunehmend genutzte Mittel dar, die in einer Sammlung enthaltenen Informationen und Aussagen zu vervollständigen und abzurunden. fg1_016

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